Eine Projektarbeit des Philosophiekurses am Gymnasium Michelstadt

 PLAKAT Ausst

Kritische Diskussionen um Rassismus und Sexismus sind aktuell ‚hip‘. Das liegt vor allem daran, dass uns Rassismen, Sexismen und andere Unterdrückungsformen tatsächlich alltäglich begegnen. Allerdings werden sie nicht von allen gleichermaßen wahrgenommen. Und trotzdem sind sie überall – vermittelt über Sprache und Bilder, die wir alle – bewusst oder unbewusst – täglich reproduzieren. Für Menschen, die durch alltägliche rassistische und/oder sexistische Handlungen eine direkte Diskriminierung erfahren, sind sie mehr als deutlich wahrnehmbar. Denn sie sind eingeschrieben in die Strukturen unserer Gesellschaft – daher ist es wichtig davon zu sprechen, dass Sexismus und Rassismus strukturelle Probleme sind. Aber was ist damit eigentlich gemeint?

 Zu diesem Thema ist im Philosophie-Kurs des Michelstädter Gymnasiums eine Projektarbeit entstanden. Als Grundlage sollten rassistische und sexistische Begriffe und Bildwelten ausfindig gemacht werden. Und zwar an Orten, die wir alle meist mehrmals in der Woche aufsuchen: Supermärkte. In den vergangenen Jahren sind bereits einige Produkte durch ihre Benennungen oder ihre Vermarktungsweise stark in die öffentliche Kritik geraten. Von Schokoladenwaffeln, die durch herabwürdigende Stereotype beworben werden, bis hin zu ganzen Marken, deren Logo eine mehr als fragwürdige Bildwelt zeigt. Wir begegnen in Supermärkten vielen Dingen, die wir rundum als ‚normal‘ annehmen. Der Ausgangspunkt für die Schüler*innen war es daher erst einmal, Produkte mit rassifizierenden, sexistischen und diskriminierenden Bildern und Bezeichnungen ausfindig zu machen. Es dauerte nicht lange, bis eine große Palette von Produkten mit allerlei Alltags-Rassismen und -sexismen zusammengestellt war. Die Ergebnisse sind nun für mehrere Wochen ausgestellt im Glasanbau der Odenwaldhalle.

 In diesem Zusammenhang wurde den Schüler*innen schnell deutlich, dass in unserem Alltag ‚weiß‘ unsere gesellschaftliche Norm ist, die erst einmal unhinterfragt bleibt. Bis dann beispielweise einige unserer Schüler*innen bemerken, dass unter den ‚Hautfarbe‘-Stiften ihre Hautfarbe gar nicht auftaucht. Und auch die vielen Abbildungen von Personen auf den Produkten zeigen überwiegend eine ganz bestimmte, standardisierte, weiße, glückliche Familie. Was aber, wenn man täglich erleben muss, dass man dieser Norm nicht entspricht?

 Neben diesen sichtbaren Diskriminierungsformen wurde schnell auch eine ganze Bandbreite von ‚unsichtbaren‘ diskriminierenden Verhältnissen deutlich. In Deutschland hat der Alltagskonsum von Produkten, bei denen nicht nur die Vermarktung, sondern vor allem auch die Herstellung auf Versklavung, Ausbeutung & Diskriminierung beruht, leider eine lange Tradition. Daher gingen die Recherchen der Schüler*innen auch schnell unter die sichtbare Oberfläche der Dinge. Schlussendlich musste das eigene Konsumverhalten ganz grundlegend kritisch hinterfragt werden.

 Auf Grundlage dieser Ergebnisse sollten die Schüler*innen schlussendlich eigene Produkte kreieren, die die Perspektive umkehren und die versuchen, diskriminierungs- und ausbeutungsfrei zu sein. Die meisten Produkte wurden inspiriert von alltäglichen, rassistisch-kolonialen Produkt-Bezeichnungen, Bildern und Inhalten, die in unseren Supermärkten zu finden sind. Viele Schüler*innen setzten sich mit ‘typisch’ kolonialen Produkten wie Kaffee und Schokolade auseinander, deren problematische, weil ausbeuterische Produktionsverhältnisse immer noch weiterbestehen. Aber auch einige Beispiele aus der Bekleidungs- und Kosmetikindustrie bringen die Betrachter*innen zum Nachdenken. Die Ausstellung wird ergänzt durch thematisch passende Buchempfehlungen, für die uns die Buchhandlung Schindelhauer tatkräftig unterstützt.

 Die Ausstellung des Philosophiekurses soll dazu anregen, sich der eigenen Rolle in der Reproduktion von Diskriminierungsstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen bewusster zu werden. Die erstellten Rassismus- und Sexismus-kritischen Produkte sind als Anlass zum Nachdenken und Diskutieren gedacht. Diese Ausstellung ist Teil des Projektes ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘, dem sich das Gymnasium Michelstadt seit 2019 verpflichtet hat. Die Produkte sind auch digital ausgestellt unter: wirsindmichelstadt.de


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